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Parteiische Schiedsrichter-Entscheidungen gehören endgültig der Vergangenheit an. Ein vom Fraunhofer Institut entwickeltes Trackingsystem für Spieler und Ball könnte bereits an der WM 2006 zum Einsatz kommen und Fehlentscheide des Schiris verhindern. 

Binnen Sekunden Entscheidungen wie Aus oder Tor zu treffen, die den Spielausgang maßgeblich beeinflussen - das gehört zu den Anforderungen an den Unparteiischen. Zur Unterstützung soll ihm zukünftig eine Technik zur hochgenauen Positionsbestimmung von Ball und Spielern zur Verfügung stehen. Das Fraunhofer IIS in Erlangen hat dieses System im Auftrag der Cairos technologies AG in Karlsbad entwickelt. “Um den Anforderungen gerecht zu werden, haben wir uns für ein Ortungs- und Verfolgungssystem entschieden, das auf der Funktechnologie basiert”, erklärte Thomas von der Grün, Leiter der Abteilung Hochfrequenz- und Mikrowellentechnik am Fraunhofer IIS.

In den Schienbeinschonern eines jeden Spielers und im Ball werden winzige Sender integriert, die individuelle Funksignale bis zu 2.000-mal in der Sekunde aussenden. Am Spielfeldrand, z.B. auf den Flutlichtmasten, sind zwischen sechs und zehn Empfänger installiert, die diese Signale analysieren und über Glasfaserkabel zu einem Zentralrechner übermitteln. In Echtzeit werden dann die Informationen aller Empfänger ausgewertet. Die Funksignale weisen unterschiedliche Laufzeiten zu den verschiedenen Empfängern auf.

Damit soll eine zentimetergenaue Position der Spieler und des Balls zu jeder Zeit berechnet werden können. Ein Vergleich mit den gespeicherten Positionsdaten von Spielfeld und Tor ergibt eindeutige Informationen wie Tor oder Aus, die der Schiedsrichter übermittelt bekommt. “Datenübertragung und Auswertung erfolgen im Bruchteil einer Sekunde, so dass der Schiedsrichter das Ergebnis ohne Zeitverzug übermittelt bekommt und seine Entscheidung auf diese Technologie stützen kann”, so René Dünkler, Marketingspezialist vom Fraunhofer IIS.

Der Nutzen dieses Systems für den Fußballsport ist vielfältig. So können weitere Informationen über den Spielverlauf gewonnen werden, wie z.B. Ballgeschwindigkeit, Flugbahn, Laufstrecke oder Sprintgeschwindigkeit. Nicht nur die Medien und damit die Zuschauer zu Hause sind daran interessiert, sondern auch Trainer und Fußballverbände. Mit Statistiken über Ballbesitz, Torschüsse und erkannte Muster von Bewegungsabläufen lassen sich Trainingsmethoden optimieren und eine strategische Spielplanung verbessern, so die Erfinder des Systems.

“Die Wireless-Tracking-Technologie hat entscheidende Vorteile gegenüber bisher vorhandenen Möglichkeiten, wie z.B. Video-Verfahren”, so Thomas von der Grün, “da sie auf Funkübertragung basiert, können Ball und Spieler optisch verdeckt sein und dennoch gibt es eindeutige Ergebnisse”. Die Lokalisierungs-Technologie arbeitet in einem lizenzfreien Frequenzbereich, so dass das System in jedem Stadion der Welt eingesetzt werden kann. Bis 2004 soll das System serienreif und in weiteren Stadien in Deutschland vorhanden sein, so der Plan der Cairos Technologies AG, die das System auf den Markt bringt.

Zur WM 2006 in Deutschland könnte diese Technologie damit im Einsatz sein. Die Voraussetzung dafür ist aber noch die Zustimmung der Fußballverbände.

Artikeldatum Montag, den 28. April 2003 um 09:31 Uhr | Hits 1985 Channel Nicht alltäglich, futurebytes.ch

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