Freitag , 20 Oktober 2017

Motorola MPx200

Motorolas MPx200 ist das erste Handy mit Microsoft-Betriebssystem, das hierzulande in größerer Stückzahl verkauft wird. Hier erfahren Sie, ob der Software-Riese zum Siegeszug auf dem Handy-Markt starten kann 

Im smarten MPx200 arbeitet “Windows Powered Smartphone 2002“. Zum Microsoft-Betriebssystem gehören nicht nur Internet Explorer und Media Player. Laut Motorola bestehen die Vorteile vor allem in der simplen Kopplung an Windows-Rechner und der Zusammenarbeit mit Microsoft-Programmen wie Outlook.

Ist das MPx200 also ein kleines, schickes Handy mit den Fähigkeiten eines Windows-PCs? Die Erwartungen werden nicht zuletzt auch durch den Herstellerpreis von 579 Euro geschürt. Ob es die Konkurrenz von Nokia & Co. das Fürchten lehren kann, zeigt der Test.

Multimedia und Speicher
Zuerst die Highlights: MPx200-Besitzer können nicht nur in die WAP-Welt eintauchen, dank Pocket Internet Explorer lässt sich auch im World Wide Web surfen. Sogar Musik-Files oder Spiele können dort heruntergeladen werden – daher wurde auf den Einbau einer zusätzlichen Java-Engine verzichtet, was in unserem Testbogen aber zu Punktabzug fürt. Ebenfalls an Bord: der MSN Instant Messenger für den Live-Chat. Das alles funktionierte im Test problemlos – allerdings fallen teils Download-, auf jeden Fall aber Verbindungsgebühren an.

Zum Unterhaltungsprogramm des MPx200 gehört der Windows Media Player, mit dem Du Musik hören und Videos ansehen kannst. So lassen sich etwa die Lieblings-MP3s aufs Handy laden, es muss nicht noch ein weiteres Gerät mitgeschleppt werden – und der Sound des MPx200 ist wirklich gut, ein Headset liefert Motorola jedoch nicht mit. Das Überspielen der Files vom PC per Infrarot oder beiliegendem USB-Kabel klappt übrigens einwandfrei – das gilt ebenso für Fotos.

Auch bei den Messaging-Funktionen lässt sich das MPx200 nicht lumpen, weder was den Austausch noch was das Angebot betrifft. SMS und E-Mails gehören zur Grundausstattung von Windows Powered Smartphone 2002. MMS zwar nicht, doch hier hat Motorola selbst Hand angelegt. In die mehrseitigen Multimedia-Nachrichten passen Text, Sounds, Fotos und Sprachmitteilungen – das kennen wir von vielen aktuellen Handys.

Für die Multimedia-Features stehen im MPx200 gut elf Megabyte (Mbyte) freier Speicher zur Verfügung, der auch von Organizer-Funktionen wie Telefonbuch oder Terminkalender beansprucht wird. Das ist für ein Handy mit MP3-Unterstützung nicht viel, der Platz reicht maximal für vier derartige Soundfiles. Immerhin lässt sich der Speicher über den SD-/MMS-Einschub aufpeppen und eine 32-Mbyte große SD-Karte liegt gleich mit im Paket – so jedenfalls unser letzter Informationsstand. Der Slot funktioniert übrigens als SD-Input-Output (SDIO) für Zubehör wie eine Digicam. Diese wird laut Motorola angeblich bereits von einem Dritthersteller angeboten.

Office-, Telefon- und Datenfunktionen
Kontakte, Termine, Aufgabenliste, Posteingang (E-Mails): Das Outlook-Angebot findet sich in einzelne Menüpunkte aufgeteilt. Wie angekündigt lassen sich die Daten dank der ActiveSync-Software kinderleicht mit den Einträgen auf dem PC abgleichen. Das funktionierte im Test mühelos und ging über das USB-Kabel wirklich flott. Vor allem per USB-Kabel funktioniert der Outlook-Abgleich beim MPx200 recht flott.

Wer sich jedoch Word- oder Excel-Files aufs Handy lädt oder als E-Mail-Anhänge empfängt, wird enttäuscht sein. Die Dokumente kann das MPx200 nicht lesen. Entsprechende Download-Programme muss sich der Nutzer laut Motorola über diverse Anbieter extra kaufen. Ob das regelmäßige Betrachten derartiger Dokumente auf dem Handy Sinn macht, sei dahingestellt. Den Einsatz als GPRS-Modem konnten wir nicht überprüfen; die Treiber-Software stand uns nicht zur Verfügung, sie wird aber nachgeliefert.

Anruflisten, Profile, Sprachfunktionen, integrierter Freisprecher – das MPx200 bietet eine komfortable Telefonausstattung. Dank Tri-Band taugt das Motorola-Handy auch für den USA-Einsatz. Was dem GPRS-Modell fehlt: HSCSD und Bluetooth. Der Nutzer muss sich außerdem mit einem E-Mail-Konto zufrieden geben.

Eckdaten
Okay, etwas dick ist das MPx200 schon. Doch insgesamt bringt das Klapp-Modell handliche Maße mit – vor allem im Vergleich mit anderen Smartphones. Dazu gibt es ein ansehnliches Innen-Display, bunt und für ein Modell dieser Größenklasse mit 35 x 44 Millimetern wirklich üppig.

Ein echter Schwachpunkt des Modells ist der Akku. Zwar gibt Motorola stattliche 4:50 Stunden für die Sprechzeit an. Doch im Test hielt das MPx200 nur ein knapp zwei Stunden langes Dauergespräch bei maximaler Sendeleistung durch – mit das schlechteste Ergebnis im Feld. Und die bis zu 112 Stunden im Stand-by-Modus laut Hersteller sind ebenfalls äußerst dürftig.

Verarbeitung und Tastatur
Das MPx200 liegt satt in der Hand, wirkt edel und zeigt keine Patzer in der Verarbeitung. Auch die Tastatur gibt keinen Anlass zur Kritik. Mit dem Windows-Handy lässt es sich insgesamt gut tippen, die Nachtbeleuchtung könnte etwas kräftiger sein.

Bedienung
Die Steuerzentrale besteht aus eingängigen und übersichtlich angeordneten Tasten – darunter eine Fünf-Wege- und die für Windows typische Home- und Zurück-Taste. Hier hat der Nutzer von Anfang an leichtes Spiel. Angetan waren wir auch von der gut funktionierenden Sprachsteuerung, die wie Sprachwahl und Kurzwahl über Zifferntasten zu bedienen ist. Diese Features erlauben den direkten Zugriff auf die Hauptmenüs oder Kontakt-Einträge im Stand-by-Modus. Die Einstellungen gehen wirklich einfach von der Hand.

Dennoch: Für die Menüführung ist eine gewisse Gewöhnungszeit notwendig – auch für Microsoft-erfahrene PC-Nutzer. Beim ersten Gebrauch erschlägt einen vor allem die lange Programm-Liste, die sich insgesamt über zwei Display-Seiten zieht. Zwar sind die Grundfunktionen schnell zu finden, doch teils öffnen sich hinter einzelnen Hauptmenüs fast unendliche Weiten – der Überblick geht da schnell mal verloren. Dazu verwirren zusätzliche Pull-Down-Fenster. Doch wer das Prinzip begriffen hat, kommt letztendlich gut klar – auch ohne das Handbuch, das uns nicht besonders durchdacht erschien.

Noch ein Wort zur Software: Das Windows-System lief bei unserem Testgerät stabil und insgesamt recht rund. Nur bei wenigen Eingaben reagierte es etwas langsam und benötigte beim Starten etwas lange.

Akustik
Passabel – zwar waren Klangqualität, Hintergrundgeräusche und Gegensprechverhalten nicht optimal, doch auch nicht so schlecht, dass es sich mit dem Handy gar nicht telefonieren ließe. Und das beim Gegensprechen vor allem der Festnetzpartner über Aussetzer klagt, ist schon fast die Regel – auch bei der Nutzung des Handy-Freisprechers.

Das kompakte MPx200 hat die Feuerprobe weitgehend bestanden. Bei der Premiere von Windows Powered Smartphone 2002 überzeugten Features wie Web-Browser und Media Player, die Software tat beim Testgerät auch zuverlässig ihren Dienst. Dazu bietet das Handy reichlich Messaging- und Telefon-Funktionen – auch dank Motorola.

Großes Plus: Das MPx200 versteht sich blendend mit Windows-Rechnern. Ob es wirklich ein entscheidender Vorteil ist, wenn Rechner und Handy auf demselben System laufen, bleibt vorerst offen – der Datenabgleich klappt auch bei Handys mit anderen Systemen reibungslos.

Bei Display und Tastatur wurde ebenfalls nicht gepatzt, durch die üppigen Menüs steuert der Nutzer nach kurzer Eingewöhnungszeit sicher. Doch um etwa Nokia in Bedrängnis zu bringen, ist die Mängelliste noch zu lang. So gibt es im Test empfindliche Punktabzüge, weil die Kamera nicht integriert ist, außerdem fehlt eine eingebaute Java-Engine und Bluetooth bringt das Modell ebenfalls nicht mit. Besonders hart wirken sich die dürftigen Akku-Werte aus – solche Schwächen werden auf dem hart umkämpften Handy-Markt sofort bestraft. Sollte das nächste Windows-Handy einen längeren Atem haben, könnte es allerdings eng werden für Nokia & Co.

Konkurrenten:
Sony Ericsson P900
Nokia 6600
Nokia 3660
O2 XDA II
T-Mobile MDA I (nur Deutschland)

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