Sonntag , 22 Oktober 2017

Review: Apple MacBook 2.0GHz, schwarz

Am 16. Mai hat Apple den Nachfolger seiner bisherigen Consumer Linie von Notebooks, des iBook G4 (12" und 14" und des kleinen 12" PowerBook G4) vorgestellt. Das schlicht MacBook getaufte Gerät verfügt, wie die MacBook Pros über einen Intel Core Duo Chip, womit Apple die Transition auf die Intel Plattform bei seinen portablen Geräten als beendet ansieht.

Auf den ersten Blick fällt vor allem das neue breitformatige 13.3" Display auf. Wie auch bei den Pro Modellen, besticht das neue Display durch eine höhere Auflösung von 1280×800 Pixeln und massiv verbesserter Helligkeit und Kontrastverhältnisse. Ansonsten unterscheiden sich die drei erhältlichen MacBook Modelle nicht gross von den Pro Modellen. Lediglich die Grafikkarte und das Fehlen eines Express Slots sind nicht änderbare Unterschiede, nebst der Bildschirmgrösse. In Anbetracht eines Startpreises von lediglich 1579.- bieten die MacBooks also viel Leistung, für wenig Geld.

Die drei Ausführungen gibt es Wahlweise mit 1.83GHz oder 2.0GHz Prozessor. Die 2GHz Version gibt es auch in edlem Schwarz zu kaufen. Der Aufpreis beträgt rund 150.- – Design hat seinen Preis.

futurebytes konnte freundlicherweise eine Woche lang ein Testgerät von Apple auf Herz und Nieren prüfen. Lesen Sie nun, wie das MacBook sich geschlagen hat.

 

Der Test

Äusserlichkeiten:

Das MacBook ist wahrscheinlich das bisher schönste portable Modell, das Apple auf den Markt gebracht hat. Viel flacher als das iBook, schön abgerundet und formvollendet präsentiert sich das nur 2.36kg schwere Gerät von seiner besten Seite. Das "glossy" 13.3" Breifbilddisplay im 16:10 Format mag anfänglich Skepsis hervorrufen, hat man es aber einmal gesehen, verliebt man sich sofort in das lichtstarke, hochauflösende und kontrastreiche Bild. Durch die verbesserte Helligkeit (bis zu 60% mehr) ist auch das Arbeiten im freien möglich. Der erhöhten Lichtreflektion durch die spiegelnde Oberfläche wirkt Apple mit einer Polarisationsfolie entgegen, die auf dem Display aufgebracht ist. Nur bei starkem Oberlicht, etwa von Leuchtstoffröhren, kann das Spiegeln etwas lästig werden, ansonsten gewöhnt man sich schnell dran und findet immer einen Winkel, bei dem man keine störenden Reflektionen auf dem Display hat. Die Tastatur ist nicht mehr ein leicht "lodeliges" Teil, wie bei den iBooks, sondern ist jetzt in der Oberfläche eingelassen. Die Tasten sind relativ klein, dafür sind die Abstände zwischen den Tasten etwas grösser. Nach kurzer Eingewöhnungszeit ist langes und schnelles Schreiben problemlos möglich. Der Anschlag ist weich und angenehm leise. Auch das Trackpad ist etwas grösser als bei den Vorgängern und die Taste zum Klicken ist angenehm leicht zu bedienen. Insgesamt überzeugt das Gerät mit einem konsequenten Design und sauberer Verarbeitung.

 

Ausstattung:

Das von Apple gelieferte Testgerät verfügt über 1GB RAM und entspricht ansonsten der Standardkonfiguration. Das heisst: 80GB SATA Harddisk mit 5400 Umdrehungen pro Minute, integriertes Wireless LAN und Bluetooth, 2x USB 2.0, 1x FireWire 400, mini DVI out, analoge und optische digitale Sound Ein- und Ausgänge, Gigabit Ethernet und den neuen MagSafe Stromanschluss, der verhindert, dass man das Gerät zu Boden reisst, wenn man am Kabel hängen bleibt. Als optisches Laufwerk gibt es ein Combo Laufwerk beim kleinen und ein Superdrive mit Dual Layer DVD Kapazität bei den beiden grösseren Konfigurationen. Alle drei verfügen über einen integrierten Intel GMA 950 Grafikchip, der bis zu 80MB Speicher mit dem Hauptarbeitsspeicher teilt. Auch eine iSight Kamera hat Apple eingebaut. Zusammen mit dem eingebauten Mikrofon und einem schnellen Internetanschluss ist das Gerät deshalb von Haus aus Video-Chat fähig. Einzig das integrierte Analogmodem fällt bei den MacBooks endgültig weg. Ein Punkt den man nur durch ein – relativ teures – externes USB Modem ausgleichen kann. Man mag argumentieren, dass die meisten Leute heute Zugang zu einem Breitband-Internetanschluss haben, dennoch ist der Wegfall dieser Worst-case Lösung für den Notfall, sowie der Faxfunktion, ein Wermutstropfen. Als Betriebssystem ist Mac OS X "Tiger" vorinstalliert, die Programmpackage iLife ’06 ist ebenfalls inklusive. Die Akkulaufzeit beträgt laut Apple bis zu 6 Stunden bei Minimalbetrieb. Das stimmt auch. Bei höherem Leistungsbedarf, etwa beim Schauen eines Films oder beim Spielen eines Spiels sinkt die Betriebsdauer auf rund zweieinhalb Stunden. Immer noch genug für eine DVD oder eine längere Zugfahrt. Die verbesserte Performance äussert sich allerdings auch in erhöhter Wärmeentwicklung. Bei geringer Belastung wird das MacBook nicht wärmer als ein iBook, betreibt man aber prozessor- oder grafikintensive Programme oder nutzt das optische Laufwerk, wird das MacBook zeitweise sehr warm bis regelrecht heiss. Die eingebauten Lüfter melden sich dann auch lautstark zu Wort und kühlen das Gerät herunter. Von Laptop kann man also nicht mehr uneingeschränkt sprechen, auf dem Schoss sind die heutigen Mobilcomputer oft schlicht zu heiss.

 

Performancetest:

Wir haben das Gerät für verschiedene Anwendungen getestet und sind dabei zu ein paar möglicherweise kaufentscheidenden Erkenntnissen gelangt.

Testmaschinen:

    MacBook (schwarz) 2GHz Intel Core Duo, 1GB DDR2 SDRAM, 80GB, SuperDrive
    iBook G4 800MHz, 384MB DDR SDRAM, 40GB, Combo Drive
    PowerMac G4 Dual 1.25GHz, 1GB DDR SDRAM, Radeon 9700 Pro 128MB, Superdrive

Wer ein bisschen etwas von Computerhardware versteht, wird gespannt sein, wie gut sich der Intel GMA 950 Chipsatz macht. Vorne weg sei gesagt: Dieser Chip ist der grosse Differentiator zwischen MacBook und MacBook Pro.

Seit 1999 bedient sich die Mac Welt gerne dem Spiel Quake 3, um die Performance von 3D Spielen zu messen. Zwar ist Quake3 mittlerweile veraltet, seine Engine ermöglicht aber nach wie vor interessante Erkenntnisse über die Performance eines Systems zu gewinnen. Wir verwenden die Version 1.32b G4 für PowerPC Systeme und die inoffizielle universal binary Version für Intel Systeme, die auf dem Open Source Code der Quake 3 Engine basiert. Die aktuelle 1.32c Version für PowerPC ist deutlich langsamer als 1.32b, ohne ersichtlichen Grund, wahrscheinlich wurde beim Compilieren weniger Wert auf Optimierung gelegt. Deshalb lassen wir diese Version ausser acht.
Zum Testen probieren wir auch die PPC Version in der Emulationsumgebung Rosetta aus, die es erlaubt, "alten" PowerPC Code auf den aktuellen Intel Systemen auszuführen.

Quake 3 Stats: (Rosetta)

MacBook 2.0GHz/1GB, Intel GMA 950 (80MB)

Standard 640×480: 85 FPS (rosetta)
Standard 640×480: 170 FPS (universal binary)
High 1024×768: 70 FPS (rosetta)
High 1024×768: 78 FPS (universal binary)

iBook G4 800MHz/384MB, Radeon Mobility 9200 (32MB)

Standard 640×480: 65 FPS
High 1024×768: 51 FPS

PowerMac G4 Dual 1.25GHz/1GB, Radeon 9700 Pro (128MB)

Standard 640×480: 245 FPS
High 1024×768: 236 FPS

Bei tiefen Auflösungen, wo selbst die etwas schmalbrüstige Intel GMA Architektur keine Probleme hat, zieht das MacBook am iBook vorbei und stösst mit etwas Tweaking der Einstellungen sogar in die Bereiche des Towers vor. Jedoch zeigt sich hier deutlich die Schwäche des Intel Grafikchips. Sobald die Auflösung angehoben und die Bildqualität gesteigert wird, fällt der die Performance des Chips massiv ab und kann nur noch einen rund 50% Vorsprung vor dem betagten iBook gut machen. Nicht besser sieht es im aktuelleren Spiel World of Warcraft aus. Wir verwenden die aktuellste Version zum Zeitpunkt dieses Berichts. Das Programm ist von Haus aus universal binary und ist in Sachen 3D Grafik noch etwas anspruchsvoller als Quake 3.

World of Warcraft: (Universal)
1024×768, mittlere Grafikqualität, keine Shader.

Ruhige Stelle im Ödland, wenig Aktivität.

iBook: ~22 FPS
MacBook: ~25 FPS

Während 40er Raid im Molten Core, hektisches Treiben.

iBook: ~3-5 FPS
MacBook: ~10-15 FPS

Einmal mehr zeigt sich hier die Tatsache, dass das MacBook schneller mehr Daten verarbeiten kann, dank sehr schneller Prozessorkerne und massiv verbessertem RAM Controller, im Vergleich zum iBook. Vor allem der wesentlich grössere und schnellere Arbeitsspeicher macht sich beim MacBook positiv bemerkbar und hilft immer dann sehr, wenn viel Inhalt geladen werden muss. Ladezeiten und Performanceverlust in dichtbevölkerten Gebieten sind auf dem MacBook sehr viel geringer, als auf dem iBook. Sogar der PowerMac muss in Sachen Ladezeiten dem MacBook den Titel überlassen. Hier zeigt sich deutlich der Flaschenhals der G4 Busarchitektur. Man muss dabei aber auch bedenken, dass das iBook die Minimalanforderungen von World of Warcraft weder beim Prozessor noch beim RAM erfüllt. (1GHz, 512MB) Insofern ist der teilweise nur sehr kleine Unterschied zwischen den beiden Notebooks kein besonderes Kompliment an den Grafikchip des MacBook. Der Intel GMA 950 unterstützt derzeit auch keine Vertex Shader in WoW, im Gegensatz zum ATI Radeon Mobility 9200 des iBook. Allerdings lässt Apple durchblicken, dass noch Optimierungen im Treiber für den GMA 950 möglich sind. Rein von der Grafikqualität (nicht vom Speed) hat also das MacBook derzeit noch das Nachsehen. Zusammenfassend lässt sich sagen, das MacBook ist gut genug für den Einsatz als gelegentliche Gamemaschine, wer aber ernsthaft oder regelmässig auf seinem Mobilcomputer aktuelle 3D Spiele spielen will, für den ist der Grafikchip des MacBook schlicht und ergreifend eine zu lahme Ente.

Ein weiteres praxisbezogenes Testbeispiel ist die Zeit, die der Computer benötigt, vom Knopfdruck bis zur vollständigen Betriebsbereitschaft zu gelangen. Diese Zeit messen wir in Sekunden.

Boottime:

MacBook: 26 Sek.
iBook: 72 Sek.
PowerMac: 52 Sek.

Mit sagenhaften 26 Sekunden braucht das MacBook nur wenige Sekunden länger für einen Kaltstart als das iBook zum Aufwachen aus dem Schlafmodus. Sogar der PowerMac G4, der eine deutliche schnellere 7200 rpm Harddisk aufweist, kann bei weitem nicht mithalten. Das zeigt, wie stark die Intel Plattform bereits in den mobilen Computern ist.

Während das MacBook also in Punkto Prozessorleistung dem iBook um Meilen voraus ist, kann es im Bereich der Grafikkarte keine Extrapunkte verbuchen. Der integrierte Intel GMA 950 Chip ist für 3D Anwendungen und intensive 2D Grafiken nur unwesentlich besser als der Radeon Mobility 9200 Chip des iBook. In Anbetracht des Alters vom ATI Chip, ist das nicht sehr schmeichelhaft für die Intel Lösung. Dennoch muss klar gesagt sein, dass der Chip absolut tauglich ist für gängige Arbeiten und auch hie und da ein Spiel zulässt, vorausgesetzt es handelt sich nicht um ein anspruchsvolles 3D Game. Das iBook war nie die beste Wahl für einen mobilen Gamer und das MacBook bleibt dieser bedauerlichen Tradition treu. Wer gamen will, ist mit einem MacBook Pro mit Radeon Mobility X1600 sehr viel besser bedient.

 

Windows:

Ja, richtig gelesen! Dank der Intel Architektur der neuen Intel Macs lässt sich auch ein waschechtes Windows auf dem MacBook installieren. Die von Apple in der Betaphase veröffentlichte Lösung BootCamp erlaubt die Installation von Windows auf eine separate Partition der Harddisk. Tests zeigen, dass das MacBook auch auf der Windows Seite überzeugen kann. Die Hardware wird bereits jetzt grösstenteils unterstützt (mit Ausnahme der Kamera) und da nichts emuliert werden muss, ist die Performance unter Windows gleich gut wie die eines vergleichbar ausgestatteten PC Notebooks.
BootCamp ist momentan noch eine Beta Version und keine fertige Lösung, spätere Versionen von Mac OS X werden aber die Funktionalität von BootCamp beinhalten oder gar noch ausbauen. Von einer kleinen Softwareschmiede namens Parallels gibt es auch schon eine Software, die den parallenen Betrieb von Windows, Mac OS X und beliebig vielen weiteren Betriebssystemen, wie etwa Linux, ermöglicht. Die Hardwarekompatibilität und Performance dieser Lösung ist aber noch nicht so gut, wie die von BootCamp. Dafür muss man nicht bei jedem Systemwechsel neustarten.
Die komplette Plattformenkompatibilität der neuen Intel Macs ist natürlich ein starkes Kaufsargument für Entwickler und Spezialisten, die auf beide Welten angewiesen sind. Auch mit dem MacBook kauft man sich also de facto zwei Computer zum Preis von einem.
Die Möglichkeit Windows auf den Intel Macs zu installieren, ist grade für Gamer eine sehr interessante Option. Leider macht das nur mit einer guten Grafikkarte Sinn, wie sie leider nur in den MacBook Pro und iMacs zu finden ist. Der GMA 950 ist auch unter Windows schlicht zu langsam, um mit modernen 3D Spielen mithalten zu können. Dazu fehlen ihm wichtige Features wie Pixel- oder Vertexshader Support oder dedizierter Grafikspeicher, die in Spielen wie Doom 3, Quake 4 etc. einen Grossteil der Spielbarkeit ausmachen. Ein paar kurze Tests mit Doom 3 haben klar gezeigt, dass das MacBook für 3D Engines neuster Generation nicht tauglich ist.

 

Fazit:

Das MacBook besticht also nicht nur durch seine vollendete Form, sondern auch mit dem, was in ihm steckt. Der Intel Core Duo Chip verleiht dem Consumer Notebook eine bisher nie da gewesene Performance. Der Unterschied zur alten Generation der PowerPC G4 Chips ist enorm. Trotzdem hält das MacBook problemlos auch im Batteriebetrieb mit und überzeugt durch eine lange Batterielaufzeit. Die Grafikkarte ist zwar nicht das höchste der Gefühle, reicht aber für den Normalgebrauch durchaus. Wer Videoschnitt im grossen Stil betreiben oder anspruchsvolle 3D Spiele spielen möchte, sollte sich aber gut überlegen, ob der Aufpreis auf das MacBook Pro nicht doch gerechtfertigt ist.

Das MacBook ist ein gelungener Wurf von Apple und wird zweifellos viele Anhänger finden – im Mac und im PC Lager. Immerhin vermag es ja auch unter Windows zu überzeugen.

Wo Apple mit den Intel Chips noch überall hin will, ist derzeit noch nicht ganz klar. Man kann aber auf neue Ankündigungen an der diesjährigen World Wide Developer Conference in San Francisco gespannt sein. Die Flaggschiffe PowerMac G5 und Xserve G5 wollen schliesslich auch abgelöst werden.

 

Urteil:

MacBook Pro 2.0GHz, black, 1GB RAM:

4.5 von 5 Punkten

Mehr Infos auf: www.apple.com/macbook
                     
www.apple.com/macosx/bootcamp
                     
www.parallels.com

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