« Der Sex-Manager
Die neue Software «GirlFriend X» verwaltet das Geschlechtsleben von Nerds bis ins kleinste Detail. Sie errechnet sogar die Kosten pro Fick. Was aussieht wie ein Scherz von College-Studenten, passt perfekt ins Hyper-Mittelalter.
Die Website gibt sich wie ein klassischer Hoax. «Hi-Tech Dating Software for Men» steht da. Und: «Vertrauen Sie etwa Ihren besoffenen Kumpels, wenn es darum geht, ein Mädchen zu beurteilen?» «GirlFriend X» möchte eine «Geheimwaffe im Kampf der Geschlechter» sein, ein «elektronisches Notizbuch», das beim «Verführen» helfen soll.
Mangels Download-Option kann man von hier aus nicht sagen, ob es «GirlFriend X» wirklich gibt; registriert ist die Domain auf die Firma eines gewissen Richard Hoxie in Walnut Creek, Kalifornien. Nehmen wir aber mal an, dass das Programm existiert. Heute kommt es schliesslich nicht mehr auf das Produkt selbst an, sondern nur noch auf die reine Idee. Und die ist bemerkenswert.
«GirlFriend X» soll das Geschlechtsleben ihres Besitzers bis ins kleinste Detail managen. Kernstück des Pakets ist eine aufgemotzte Personendatenbank. Der Multitasking-Romeo soll darin so gut wie alles speichern, was er über seine hoffentlich zahlreichen Gspusis herausfinden konnte und was er mit ihnen erleben durfte. Hat er sämtliche Details brav eingetragen, erinnert die Software ihr Herrchen etwa daran, wann die Freundin ihre Periode hat und es daher aus sextechnischer Sicht nicht so ratsam ist, sie zu einem «romantischen Dinner» einzuladen. Ein «Bad Date Buddy» soll den User mittels vorprogrammiertem Anruf aufs Handy aus den Fängen langweiliger Partnerinnen erlösen und diverse Assistenten putzen bei Bedarf schmierige JPEGs und faule Sexwebsite-Cookies von der Platte und aus der Browser-History.
Nebenbei entscheidet «GirlFriend X» endlich die jahrhundertealte Frage, ob nun Sex oder Geld die wichtigste Sache der Welt sei. Die Software bietet nämlich die Möglichkeit, sehr exakt Buch über die Ausgaben zu den verschiedenen Dates zu führen. Der eingebaute «patentierte Ertragsrechner» knobelt hinterher automatisch die Wartungskosten der Beziehung aus. Bis hin zum Preis des einzelnen Geschlechtsakts, der sich daraus errechnet, wieviel Geld der User für Blumen, Abendessen und Schmuck ausgeben musste, bis es nun endlich soweit war. Ob es «GirlFriend X» aber fertigbringt, den typischen Agglo-Stecher zum Körperflüssigkeits-Ökonomen umzuschulen, darf bezweifelt werden.
Dabei hat dieser Verwaltungsaufwand auch sein Gutes. Während der «GirlFriend-X»-Anwender mit seiner Datenbank beschäftigt ist, läuft er wenigstens nicht in freier Wildbahn herum – und echte Frauen bleiben von seinen Annäherungsversuchen verschont.
Frauen sind in «GirlFriend X» nicht einmal mehr Gegenstände, sondern nur noch Datensätze. Das passt ganz gut in unsere Zeit, ins Hyper-Mittelalter der 2000er-Jahre, eine von religiösem Irrationalismus verzerrte Phase der Kulturgeschichte. Denn sowohl Islamisten als auch die rechten Christen der Bush-Fraktion pflegen eine Sichtweise, in der Frauen nicht als Menschen, sondern hauptsächlich als Dinge oder abstrakte Ideen vorkommen. Sie haben der Produktion und Re-Produktion zu dienen und fungieren bestenfalls als Trägerinnen ideologischer Botschaften.
Aber auch die technokratische Weltanschauung des europäischen Wohlfahrtsstaats steckt in «GirlFriend X». Ist bei uns von Familienpolitik die Rede, so geht es doch weniger um Menschen, als um Zahlen. Frauen sollen Kinder kriegen, damit die Rechnung der Rentenversicherung wieder stimmt. Das ist alles. Der «patentierte Ertragsrechner» werkelt auch hier hinter den Kulissen.
Die Frau erscheint im System von «GirlFriend X» nur als Gegenstand schlechter Witze. Dieses Zerrbild begegnet uns aber nicht nur auf dieser arg verdächtigen Website, sondern auch täglich in der öffentlichen Diskussion. Leider fällt niemandem ein, zur Abwechslung einmal gegen diese Karikatur zu protestieren.
PS: Spricht man den Namen der Software aus, hört es sich an wie «Girlfriend-Ex», also «Freundinnen-Entferner». Auch wahr. Wenn das mal kein Hoax ist..
Big Brother is pimpin’ ur next ride, oh yeah!